René Kälineinfach. magisch. sein.

Altes Wissen

Schamanische Völker der Welt

Viele Wege zum gleichen Feuer

Auf allen Kontinenten haben Menschen Wege gefunden, das Bewusstsein zu öffnen und mit der Welt der Geister, der Ahnen und der Natur zu sprechen. Manche tun es mit heiligen Pflanzen. Viele aber brauchen nichts als eine Trommel, einen Gesang, einen Tanz, den Atem, das Fasten oder die Stille der Dunkelheit.

Wo Pflanzen dazugehören, sind sie Lehrer auf einem langen Weg: mit erfahrenen Heilerinnen und Heilern, mit Regeln, Dieta und Gemeinschaft. Sie sind kein Erlebnis zum Mitnehmen. Viele dieser Pflanzen sind in der Schweiz verboten oder gesundheitlich gefährlich. Hier wird erzählt, nicht angeleitet.

Die Völker sind nach Regionen geordnet. Mit den Knöpfen kannst du zeigen, wer mit heiligen Pflanzen arbeitet und wer mit Trommel, Tanz und Atem.

Europa

  • Kelten

    Trommel, Tanz & Atem

    Die Druiden lernten zwanzig Jahre lang auswendig, die Barden sangen die Welt herbei. Ihre Tore waren der Jahreskreis, heilige Haine, Quellen und das Feuer – das Wissen lag im Wort und im Lied.

  • Samen

    Trommel, Tanz & Atem

    Die Noaidi, die Schamanen Lapplands, reisten mit der bemalten Zaubertrommel in andere Welten. Der Joik, ein Gesang, der einen Menschen, ein Tier oder einen Ort nicht beschreibt, sondern ist, lebt bis heute. Viele Trommeln wurden von Missionaren verbrannt; einige sind heute an die Samen zurückgegeben.

Asien und Sibirien

  • Völker Sibiriens

    Pflanzen und Klang

    Von den Ewenken stammt das Wort Schamane. Die Trommel ist ihr Reittier in die anderen Welten. Im Nordosten war bei Korjaken und Tschuktschen auch der Fliegenpilz heilig – mit ihm verbinden viele den Ursprung des Weihnachtsmanns.

  • Mongolen

    Trommel, Tanz & Atem

    Böö und Udgan reisen mit Trommel, Gesang und Spiegeln, die Ahnengeister sprechen durch sie. Unter dem ewigen blauen Himmel ehrt man die Erde am Ovoo – ganz ohne Pflanzen.

  • Tuwiner

    Trommel, Tanz & Atem

    In Tuwa am oberen Jenissei arbeiten die Kam, die Schamanen, mit Trommel und Gesang. Berühmt ist der tuwinische Kehlgesang, der Wind, Wasser und Pferde nachahmt. Seit 1993 gibt es in Kysyl wieder eine Vereinigung der Schamanen.

Nord- und Mittelamerika

  • Lakota

    Trommel, Tanz & Atem

    Schwitzhütte (Inipi), Visionssuche (Hanblečheyapi) mit Fasten allein auf dem Berg, Sonnentanz, Trommel und Gesang. Die heilige Pfeife (Chanunpa) ist ein Gebet, kein Rauschmittel.

  • Maya

    Pflanzen und Klang

    Heute vor allem Gebet, Feuerzeremonie und der heilige Kalender der Ajq’ij. In alter Zeit kannten die Maya auch den Balché-Trank und heilige Pilze, wie Pilzsteine aus dem Hochland zeigen.

  • Wixárika

    heilige Pflanzen

    Der Hikuri (Peyote) ist für die Wixárika ein heiliger Bruder. Jedes Jahr pilgern sie nach Wirikuta, singen ganze Nächte am Feuer und malen ihre Visionen in Fadenbilder.

  • Mazateken

    heilige Pflanzen

    In der Sierra Mazateca in Oaxaca heilen Sabias mit den «heiligen Kindern», Psilocybin-Pilzen, in nächtlichen Velada-Zeremonien voller Gesang. María Sabina wurde 1957 durch R. Gordon Wasson weltbekannt – mit schweren Folgen für ihr Dorf.

  • Rarámuri (Tarahumara)

    heilige Pflanzen

    Die Nachbarn der Wixárika in der Sierra Tarahumara kennen den Peyote (Híkuli) als Heiler und Beschützer. Berühmt sind sie für ihre Läufe über Hunderte Kilometer – Laufen selbst ist für sie ein Gebet.

  • Native American Church

    heilige Pflanzen

    Eine Kirche vieler Völker Nordamerikas, entstanden um 1900 bei Kiowa und Comanche. In nächtlichen Treffen im Tipi wird Peyote als Sakrament genommen, mit Gebet, Wassertrommel und Gesang bis zum Morgen.

  • Kogi

    Pflanzen und Klang

    In der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien werden die Mamos von Kindheit an jahrelang in der Dunkelheit ausgebildet, um die Welt «im Geist» zu sehen. Ihr Weg ist Meditation und Achtsamkeit; das Kauen von Coca mit dem Poporo gehört für die Männer zum Alltag.

Anden

  • Andenvölker

    Pflanzen und Klang

    Paqos und Yatiris sprechen mit Pachamama und den Bergen: mit Coca-Blättern, Despachos und Gebet. Im Norden Perus heilen Curanderos mit dem Kaktus San Pedro (Huachuma) – eine Tradition, die bis Chavín zurückreicht.

  • Inka

    Pflanzen und Klang

    Für die Inka sprach das Heilige durch Sonne, Ahnen und Huacas. Coca war eine Gabe der Götter, Chicha wurde den Ahnen geopfert, und Priester nutzten Schnupfpulver aus Willka-Samen.

Amazonien

  • Shipibo-Konibo

    heilige Pflanzen

    Am Ucayali arbeiten die Onanya mit Ayahuasca (Oni) und der Dieta: monatelang mit einer Pflanze leben, einfach essen, still sein. Die Ikaros, ihre Heilgesänge, sind gesungene Kené-Muster.

  • Huni Kuin

    heilige Pflanzen

    Das «wahre Volk» in Acre (Brasilien) und Peru trinkt Nixi Pae, ihre Ayahuasca, um Wissen von den Geistern zu empfangen. Aus den Visionen entstehen die Kene-Muster und die Huni-Meka-Gesänge.

  • Yawanawá

    heilige Pflanzen

    Am Rio Gregório in Brasilien arbeiten die Yawanawá mit Uni (Ayahuasca), Rapé und strengen Dietas. Seit einigen Jahren werden auch Frauen zu Pajés – ein Aufbruch in einer alten Tradition.

  • Kofán, Siona und Secoya

    heilige Pflanzen

    Im Grenzland von Kolumbien und Ecuador heisst die heilige Liane Yagé. Die Taitas, die alten Heiler, singen in langen Nächten und leiten die Gemeinschaft. Ihr Wissen wird vom Ölabbau im Regenwald bedroht.

  • Yanomami

    heilige Pflanzen

    Die Xapiri-Geister kommen zu den Schamanen der Yanomami, wenn sie Yãkoana oder Epená schnupfen, ein Pulver aus Baumrinde und Samen. Der Schamane Davi Kopenawa erzählt davon im Buch «Der Sturz des Himmels».

Afrika

  • Bwiti (Fang, Gabun)

    heilige Pflanzen

    In Gabun verbindet der Bwiti-Kult alte Ahnenverehrung mit christlichen Bildern. Bei der Einweihung essen die Neulinge Iboga-Wurzelrinde, um den Ahnen zu begegnen; getragen werden sie von Musik auf dem Mungongo-Bogen und von Tänzen bis zum Morgen.

  • San (Kalahari)

    Trommel, Tanz & Atem

    Die San tanzen die ganze Nacht im Kreis um das Feuer, die Frauen klatschen und singen. Dabei «kocht» eine Kraft, die sie n/om nennen, in den Heilern auf, bis sie in Trance fallen und mit den Händen heilen – ganz ohne Pflanzen.

Australien und Ozeanien

  • Aborigines Australiens

    Trommel, Tanz & Atem

    Für die ersten Völker Australiens ist die Traumzeit nicht vergangen, sondern immer gegenwärtig. Die Songlines, gesungene Wege, verbinden Land, Ahnen und Gesetz. Wissen wird durch Gesang, Tanz, Malerei und lange Einweihungen weitergegeben; der Klang des Didgeridoo stammt aus dem Norden des Kontinents.

Mit Respekt

Diese Seite ist keine Anleitung und keine Empfehlung, Pflanzen zu nehmen. Peyote, Ayahuasca, Psilocybin-Pilze, Iboga und Fliegenpilz unterliegen in der Schweiz teils dem Betäubungsmittelgesetz und können gefährlich sein, besonders mit Medikamenten oder bei psychischen und Herzerkrankungen. Iboga hat schon zu Todesfällen geführt.

Viele indigene Völker leiden unter Tourismus, unter Biopiraterie, die ihre Pflanzen und ihr Wissen patentiert, und unter Menschen, die ihre Zeremonien kopieren und verkaufen, ohne jede Verbindung zu ihnen.

Zugleich lebt das alte Wissen auch dort weiter, wo es mit Respekt weitergegeben wurde. Viele Schamaninnen und Schamanen hier bei uns haben ihr Wissen über Jahre von indigenen Lehrerinnen und Lehrern erhalten, arbeiten mit ihnen zusammen und pflegen die Verbindung. So darf das Wissen wandern – von Mensch zu Mensch, von Herz zu Herz. Wer einer Tradition begegnen möchte, schaut, woher ein Weg kommt und ob die Verbindung zu seinen Wurzeln lebendig ist. Zuhören, unterstützen, mit offenem Herzen teilnehmen und etwas zurückgeben – das ist der Weg mit Respekt.

Quellen

Mircea Eliade: Schamanismus und archaische Ekstasetechnik, 1951 · Peter T. Furst (Hg.): Flesh of the Gods – The Ritual Use of Hallucinogens, 1972 · Richard Evans Schultes & Albert Hofmann: Plants of the Gods, 1979 · Michael Harner: The Way of the Shaman, 1980 · Richard Katz: Boiling Energy – Community Healing among the Kalahari Kung, 1982 · Gerardo Reichel-Dolmatoff: The Shaman and the Jaguar, 1975, und The Sacred Mountain of Colombia’s Kogi Indians, 1990 · James W. Fernandez: Bwiti – An Ethnography of the Religious Imagination in Africa, 1982 · Davi Kopenawa & Bruce Albert: La chute du ciel, 2010 · Piers Vitebsky: The Shaman, 1995

Die Inhalte sind mit KI gestaltet.