Pflanzenwesen
unsere stillen Lehrer
Die Pflanzenwesen sind älter als wir. Lange bevor der erste Mensch über die Erde ging, standen sie schon da – wurzelnd, wachsend, atmend.
Sie sprechen nicht mit Worten. Ihre Sprache ist langsam: Wachstum, Duft, Schatten, das Rauschen der Blätter im Wind. Wer ihnen zuhören will, muss selbst langsam werden.
In Zeremonien nach der Tradition der Shipibo, im Urwald Amazoniens, habe ich die Pflanzen als Lehrer kennengelernt. In den Dietas zeigten sie sich in Träumen, Bildern und stillen Ahnungen: Riesen mit Brettwurzeln, Bäume mit rotem Saft, Bäume, die ihre Rinde abstreifen wie die Schlange ihre Haut.
Doch es geht auch viel näher – mit der Pflanzenwelt, die uns hier umgibt. Die Eiche, die Linde, die Birke am Waldrand, die Arve hoch oben am Berg, der Holunder am Haus. Auch sie sind Lehrer. Sie waren es immer.
Bäume lehren Geduld. Sie wurzeln tief, bevor sie hoch hinauswachsen. Sie überdauern Stürme, indem sie sich biegen. Sie geben Schatten, Nahrung und Schutz, ohne etwas dafür zu verlangen. Und sie denken in Jahrhunderten, nicht in Tagen.
Hier findest du die Bäume, Kräuter und Sträucher des Urwalds und unserer Heimat.
Vielleicht ruft dich eines dieser Wesen. Dann geh zu ihm hinaus, setz dich zu ihm und werde still.
Welches Pflanzenwesen begleitet dich jetzt?
Werde still. Denk an das, was dich gerade bewegt – eine Frage, eine Situation, ein Gefühl. Atme ein paarmal tief durch. Dann berühre den Kreis und lass dir zeigen, welche Pflanze jetzt zu dir spricht.