Erinnern
Lass uns erinnern wer wir sind
Ich möchte, dass wir uns erinnern.
Daran, dass wir oft vergessen, wer wir wirklich sind. Dass wir uns zu oft für andere verausgaben, bis die eigene Quelle versiegt. Dass wir jederzeit aussteigen könnten, wenn wir es wirklich wollen. Dass wir vieles viel zu ernst nehmen und die Freude dabei manchmal verlieren wie einen Kieselstein am Wegrand. Dass wir uns selbst klein halten – und dass das kein Zufall ist, sondern ein altes Spiel, dessen Regeln wir vergessen haben.
Dass wir nicht immer müssen. Dass wir mehr sind, als wir glauben, und dass mehr da ist, als unsere Augen sehen. Dass in uns etwas wohnt – etwas Leuchtendes, Heiliges, wie ein Licht hinter einem Vorhang. Dass wir Schöpfer unseres eigenen Lebens sind. Dass wir die Welt nicht im Aussen reparieren müssen, solange wir im Innern noch auf der Flucht sind.
Dass wir gerne wegschauen von dem, was wir selbst mitverursachen. Dass unser Ego oft das Steuer übernimmt – und dennoch gesehen und gehalten werden will. Dass auch das Ego Liebe braucht, um weich zu werden, wie Eis in der Frühlingssonne.
Dass Gut und Böse vielleicht nicht so fest geschrieben sind, wie man es uns gelehrt hat. Dass Liebe einfach ist – und ganz. Dass wir nicht in ständiger Angst leben müssen. Dass die Angst nicht unser Feind ist, sondern ein Tor, hinter dem ein weites Land wartet.
Dass wir die Vergangenheit dort lassen dürfen, wo sie war. Dass wir die Zukunft nicht festhalten müssen wie Wasser in der hohlen Hand. Dass der Moment alles ist, was zählt.
Dass wir wieder lernen, uns selbst zu vertrauen. Dass Ratschläge wenig nützen, solange wir den Weg nicht selbst gehen. Dass Mut nicht laut sein muss, nur echt. Dass auch Umwege zum Weg gehören und oft die schönsten Aussichten schenken. Dass nicht alles leicht ist – aber vieles einfach sein darf.
Dass wir nicht alles verdrehen und verkomplizieren müssen. Dass wir Leichtigkeit sind, wie eine Feder im Wind. Dass wir die grauen Schleier ablegen dürfen wie ein altes Kleid, das uns längst zu eng geworden ist.
Dass Schweres da sein darf – und wir trotzdem nicht alles tragen müssen. Dass Freude, Glück und Gesundheit uns zustehen. Nicht als Lohn, sondern als Geburtsrecht.
Dass wir grossartig sind. Dass wir Fülle sind. Dass wir gemeinsam weitergehen – und zugleich lernen dürfen, für uns selbst da zu sein.
Dass wir wieder lieben. Dass wir wieder lachen. Dass wir wieder staunen wie Kinder unter einem Sternenhimmel. Dass wir Kinder der Schöpfung sind – und dazugehören.
Dass wir sein dürfen. Jetzt. Hier. In unserer vollen Kraft.
Und dass wir Pachamama danken – der Erde, die uns trägt. Die uns nährt, auch wenn wir sie vergessen. Die uns erinnert, sobald wir barfuss über ihr Moos gehen. Die uns ruft, in der Stille, in Farben, in Liedern. Ein heiliger Atem. Eine uralte Umarmung.
Ich glaube, wir erinnern uns – nach und nach, wie Sterne, die in der Dämmerung einer nach dem anderen aufleuchten.
Und vielleicht schreibe ich das alles nur, weil ich es selbst so oft vergessen habe.



