Jahreskreis und Mond
Im Takt von Sonne und Mond
Bevor es Uhren gab, gab es den Himmel.
Der Mond wuchs und schwand, und wer ihm zusah, wusste, wann gesät, wann geerntet, wann gefeiert wird. Die Sonne stieg und sank über dem Horizont, und an ihren Wendepunkten brannten Feuer.
Hier dreht sich das Rad des Jahres – für deinen Ort und für heute. Schau, wo du gerade stehst.
Samhain
Die Schwelle zur dunklen Zeit und für viele der Beginn des neuen Jahres. Die Herden kamen von den Weiden, die Ernte war eingebracht. In dieser Nacht, so glaubte man, ist der Schleier zur Anderswelt besonders dünn – die Ahnen sind nah. Über viele Umwege ist daraus Halloween geworden, und nicht zufällig liegen Allerheiligen und Allerseelen auf denselben Tagen.
Wintersonnenwende
Die längste Nacht. Von hier an wächst das Licht wieder. Schon die Erbauer von Newgrange in Irland, lange vor den Kelten, richteten ihren Grabhügel so aus, dass die aufgehende Sonne an diesen Morgen bis in die innerste Kammer scheint. Der heute oft verwendete Name Yule (Jul) stammt aus dem germanischen Norden.
Imbolc
Das erste Regen des Frühlings unter dem Schnee. Die Mutterschafe lammen und geben wieder Milch. Das Fest gehört Brigid, der Göttin des Feuers, der Dichtung, der Heilkunst und der Schmiede – später als heilige Brigida verehrt. Mariä Lichtmess am 2. Februar trägt dieses Licht weiter.
Frühlings-Tagundnachtgleiche
Tag und Nacht sind gleich lang, nun neigt sich die Waage zum Licht. Die Saat geht in die Erde. Der Name Ostara geht auf eine angelsächsische Göttin Eostre zurück, die der Mönch Beda erwähnt – er ist germanisch, nicht keltisch.
Beltane
Das Fest des Feuers und der blühenden Fülle. In Irland trieb man das Vieh zwischen zwei Feuern hindurch, um es zu segnen, bevor es auf die Sommerweiden zog. Maibaum, Maifeuer und Walpurgisnacht erzählen von derselben Lebensfreude.
Sommersonnenwende
Der längste Tag, die Sonne steht auf der Höhe ihrer Kraft. Feuer brennen auf den Hügeln, Kräuter wie das Johanniskraut werden gesammelt. Der Name Litha ist ein alter angelsächsischer Monatsname.
Lughnasadh
Das Fest des Gottes Lugh, des Meisters aller Künste: Beginn der Ernte, das erste Brot aus neuem Korn. In England lebt es als Lammas weiter, die «Laib-Messe». Und in der Schweiz brennen am 1. August Höhenfeuer – ein Brauch aus neuerer Zeit, aber ein schönes Zusammentreffen.
Herbst-Tagundnachtgleiche
Noch einmal Gleichgewicht, nun neigt es sich zum Dunkel. Zeit des Dankes für die Fülle: Früchte, Nüsse, Trauben. Den Namen Mabon, nach einer Gestalt der walisischen Sage, bekam das Fest erst in den 1970er-Jahren.
Sonne, Mond und Mensch
Ein Mondmonat – von Neumond zu Neumond – dauert gut 29 ½ Tage. Zwölf davon sind elf Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Darum wandern Voll- und Neumonde jedes Jahr durch den Kalender, und manchmal fallen zwei Vollmonde in denselben Monat. Den zweiten nennt man heute «Blauer Mond».
Die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen dagegen liegen fest im Lauf der Erde um die Sonne. Sie fallen immer um den 20. bis 22. eines Monats – genau berechnet hier im Rad, auf die Minute ungefähr. Die vier Feuerfeste Samhain, Imbolc, Beltane und Lughnasadh liegen dazwischen, an den überlieferten Tagen. Gefeiert wurden sie vom Abend des Vortages an: Für die Kelten begann der Tag mit der Nacht.
Die alten Monatsnamen im Kalender gehen auf Karl den Grossen zurück, der um 800 deutsche Namen für die Monate festlegen liess – so berichtet sein Biograf Einhard. Sie erzählen vom Jahr der Bauern: Weide, Heu, Ernte, Holz und Wein.
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Das Tageszeichen des Cholq’ij, des heiligen Kalenders der Maya, folgt der gebräuchlichen Zählung, nach der der 21. Dezember 2012 der Tag 4 Ajpu war. So zählen auch die Ajq’ij im Hochland von Guatemala.
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